Praxisbeispiel

Begrüßen Sie Benny, einen erwachsenen Hund einer kleinen Rasse.

Darf ich vorstellen: BENNY

Ein 5 Jahre alter, kastrierter Chihuahua-Rüde

  • Benny kommt für eine Routineuntersuchung und Impfungen in die Praxis.
  • Benny frisst etwa ½ Tasse eines hochwertigen Hundetrockenfutters, das auf zwei Mahlzeiten aufgeteilt wird. Außerdem bekommt er täglich ein paar kleine Leckerlis. Benny bekommt zwar nichts vom Tisch, aber gelegentlich ein kleines Stück Wassermelone, das er sehr genießt.
  • Benny wiegt 4,1 kg, hat einen Body Condition Score von 5/9 und normale Muskelmasse.
  • Bei der Untersuchung ist Benny aufgeweckt, wachsam und ansprechbar. Er hustet und keucht nicht, und die Lungengeräusche sind normal. Bei der Auskultation ist ein systolisches Geräusch vom Grad III/VI über der linken Herzspitze zu hören. Herzfrequenz und -rhythmus sind normal. Die übrige Untersuchung von Benny ist unauffällig.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herzinsuffizienz (CHF) bei Hunden

Herzinsuffizienz bezieht sich auf die klinischen Symptome, wie Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge oder im Bauchraum, die auftreten, wenn das Herz die mit einer Herzerkrankung verbundenen Veränderungen nicht mehr angemessen kompensieren kann. 

Wenn bei einem Hund eine Herzinsuffizienz auftritt, können Sie mit Ernährungsempfehlungen, die Sie anhand der Leitlinien des American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM), der kardiologischen Forschung und der Ernährungsanamnese erstellen, dazu beitragen, seine Herzgesundheit zu stabilisieren.

Symbol „Herz eines Hundes“

Kernbotschaften


  • Ernährungsempfehlungen für Hunde mit Herzinsuffizienz:

  • Eine moderate Natriumeinschränkung unter Berücksichtigung der klinischen Symptome und des Ansprechens des Hundes kann helfen, Ödeme und Stauungen in den Griff zu bekommen.1-3 
    • Eine übermäßige Natriumeinschränkung kann nachteilige Auswirkungen haben, einschließlich einer übermäßigen Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems.
    • Salzreduzierte Diäten sind häufig weniger schmackhaft, und es ist wichtig, den Appetit und die fettfreie Körpermasse zu erhalten.
  • Eine Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren (z. B. DHA und EPA) kann dazu beitragen, Entzündungsmediatoren und oxidativen Stress zu reduzieren, Herzrhythmusstörungen zu stabilisieren, den Blutdruck zu senken und den Umbau des Herzen zu verringern. Omega-3-Fettsäuren können darüber hinaus geeignet sein, eine Kachexie (Muskelschwund, der bei Hunden mit Herzinsuffizienz häufig auftritt) zu verhindern.4-6 
  • Überwachen Sie den Kalium- und Magnesiumspiegel. 
    • Herzmedikamente können einen Kaliumüberschuss oder -mangel verursachen.
    • Magnesium ist auf vielfache Weise an einer gesunden Herzfunktion beteiligt, u. a. durch seine antiarrhythmische und antioxidative Wirkung. Ein zu niedriger Magnesiumspiegel (Hypomagnesiämie) geht bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herzversagen einher.7 
  • Behalten Sie die Protein- und Kalorienzufuhr bei, um einen Gewichtsverlust zu vermeiden.1
  • Antioxidantien wie Vitamin C und E können dazu beitragen, Schäden durch reaktive Sauerstoffspezies zu verhindern, die bei Hunden mit Herzinsuffizienz erhöht sind.8,9 
  • Bei Hunden mit Herzinsuffizienz sollte unbedingt eine ausführliche Ernährungsanamnese erhoben werden.

  • Natriumreiche Lebensmittel und Leckerlis oder kleine Mengen menschlicher Nahrung können der Ernährung eines Hundes unbeabsichtigt Natrium zuführen.10 
  • Eine gezielte Supplementierung von Taurin und/oder Carnitin kann die Größe und Funktion der linken Herzkammer bei einigen Hunderassen, die anfällig für eine durch eine dilatative Kardiomyopathie verursachte Herzinsuffizienz sind, verbessern.  11-13 

  • Ein L-Carnitin-Mangel im Herzmuskel wurde bei Boxern und Dobermannpinschern mit einer dilatativen Kardiomyopathie in Verbindung gebracht.11, 12
  • Amerikanische Cocker Spaniel und Golden Retriever haben eine Prädisposition für einen Taurinmangel.14,15  
Wussten Sie schon?

Das in Hundeleckerlis oder Tischresten, die zur Verabreichung von Medikamenten an Haustiere verwendet werden, enthaltene Natrium kann sich summieren: 1 Scheibe Cheddar-Käse enthält etwa 180 mg Natrium, 1 Scheibe Weißbrot enthält ca. 100 mg Natrium, 1 Esslöffel weiche Erdnussbutter enthält ca. 70 mg Natrium.

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Erhebung einer guten Ernährungsanamnese

Nur wenn Sie fragen, können Sie herausbekommen, was Ihre Patienten wirklich zu fressen bekommen. Dokumentieren Sie die Informationen in der Krankenakte.

Wie man eine Beurteilung des Körperzustands eines Hundes durchführen kann

So bestimmen Sie den Körperzustand eines Hundes in drei einfachen Schritten:

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Herzerkrankungen/Herzinsuffizienz

Eine Herzerkrankung schreitet unweigerlich voran, führt aber nicht immer zu Herzinsuffizienz. Die Prognose hängt vom allgemeinen Gesundheitszustand des Haustiers, der Art der Herzerkrankung und der Progressionsrate ab.

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Ernährung und Herzgesundheit

Das Herz ist ein lebenswichtiges Organ, das auf bestimmte Nährstoffe und eine stete Energieversorgung angewiesen ist, um eine regelmäßige Herzfrequenz und einen regelmäßigen Herzrhythmus aufrechtzuerhalten. Dennoch findet die Rolle der Ernährung für die Herzgesundheit von Haustieren häufig wenig Beachtung.

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Beurteilung des Körperzustands Ihres Hundes

Beurteilen Sie den Körperzustand eines Hundes in nur drei einfachen Schritten.

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Literatur

  1. Keene, B. W., Atkins, C. E., Bonagura, J. D., Fox, P. R., Häggström, J., Fuentes, V. L., Oyama, M. A., Rush, J. E., Stepien, R. und Uechi, M. (2019). ACVIM consensus guidelines for the diagnosis and treatment of myxomatous mitral valve disease in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine, 33(3), 1127–1140.
  2. Rush, J. E., Freeman, L. M., Brown, D. J., Brewer, B. P., Ross, J. N., Jr. und Markwell, P. J. (2000). Clinical, echocardiographic, and neurohormonal effects of a sodium-restricted diet in dogs with heart failure. Journal of Veterinary Internal Medicine, 14(5), 513–520. DOI: 10.1111/j.1939-1676.2000.tb02269.x​
  3. Strickland, K. N. (2016). Pathophysiology and therapy of heart failure. In F. W. K. Smith, Jr., L. P. Tilley, M. A. Oyama und M. M. Sleeper (Eds.), Manual of canine and feline cardiology (5. Ausgabe, Seite 287–312). Elsevier.​
  4. Freeman, L. M., Rush, J. E., Kehayias, J. J., Ross, J. N., Jr., Meydani, S. N., Brown, D. J., Dolnikowski, G. G., Marmor, B. N., White, M. E., Dinarello, C. A. und Roubenoff, R. (1998). Nutritional alterations and the effect of fish oil supplementation in dogs with heart failure. Journal of Veterinary Internal Medicine, 12(6), 440–448. DOI: 10.1111/j.1939-1676.1998.tb02148.x
  5. Freeman, L. M. (2010). Beneficial effects of omega-3 fatty acids in cardiovascular disease. Journal of Small Animal Practice, 51(9), 462–470.
  6. Laurent, G., Moe, G., Hu, X., Holub, B., Leong-Poi, H., Trogadis, J., Connelly, K., Courtman, D., Strauss, B. H. und Dorian, P. (2008). Long chain n-3 polyunsaturated fatty acids reduce atrial vulnerability in a novel canine pacing model. Cardiovascular Research, 77(1), 89–97.
  7. Del Gobbo, L. C., Imamura, F., Wu, J. H., de Oliveira Otto, M. C., Chiuve, S. E. und Mozaffarian, D. (2013). Circulating and dietary magnesium and risk of cardiovascular disease: A systematic review and meta-analysis of prospective studies. American Journal of Clinical Nutrition, 98(1), 160–173.
  8. Michałek, M., Tabiś, A., Cepiel, A. und Noszczyk-Nowak, A. (2020). Antioxidative enzyme activity and total antioxidant capacity in serum of dogs with degenerative mitral valve disease. Canadian Journal of Veterinary Research, 84(1), 67–73.
  9. Sozen, E., Demirel, T. und Ozer, N. K. (2019). Vitamin E: Regulatory role in the cardiovascular system. International Union of Biochemistry and Molecular Biology Life, 71(4), 507–515.
  10. Freeman, L. (2016). Nutrition and cardiovascular disease. In F. W. K. Smith, Jr., L. P. Tilley, M. A. Oyama und M. M. Sleeper (Hrsg.), Manual of canine and feline cardiology (5. Ausgabe, Seite 394–404). Elsevier.
  11. Keene, B. W. (1991). L-carnitine supplementation in the therapy of canine dilated cardiomyopathy. The Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21(5), 1005–1009. DOI: 10.1016/s0195-5616(91)50108-x
  12. Oyama, M. A. (2016). Canine cardiomyopathy. In F. W. K. Smith, Jr., L. P. Tilley, M. A. Oyama, und M. M. Sleeper (Hrsg.), Manual of canine and feline cardiology (5. Ausgabe, Seite 141–152). Elsevier.
  13. Sanderson, S. L. (2006). Taurine and carnitine in canine cardiomyopathy. The Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 36(6), 1325–1343. DOI: 10.1016/j.cvsm.2006.08.010
  14. Bélanger, M. C., Ouellet, M., Queney, G. und Moreau, M. (2005). Taurine-deficient dilated cardiomyopathy in a family of golden retrievers. Journal of the American Animal Hospital Association, 41(5), 284–291. DOI: 10.5326/0410284
  15. Kittleson, M. D., Keene, B., Pion, P. D. und Loyer, C. G. (1997). Results of the multicenter spaniel trial (MUST): Taurine- and carnitine-responsive dilated cardiomyopathy in American cocker spaniels with decreased plasma taurine concentration. Journal of Veterinary Internal Medicine, 11(4), 204–211. DOI: 10.1111/j.1939-1676.1997.tb00092.x