Praxisbeispiel

Lernen Sie Dewey kennen, einen älteren Kater mit Gewichtsverlust.

Lernen Sie DEWEY kennen

Ein 13 Jahre alter, kastrierter Kater

  • Dewey ist ein Wohnungskater, der wegen eines schleichenden Gewichtsverlusts in die Praxis kam.
  • Die Besitzerin hat keine Veränderung in Deweys Appetit festgestellt. Sie hat jedoch drei Katzen und die Gruppe füttert sie mit einem Trockenfutter für ausgewachsene Katzen nach Belieben und gelegentlich mit einer „kleinen Menge“ Dosenfutter als Belohnung. Sie ist sich nicht sicher, ob Dewey mehr trinkt oder uriniert.
  • Dewey hat einen Body Condition Score von 3/9, wiegt 4,3 kg und hat mäßigen Muskelverlust. Dewey ist seit über zwei Jahren nicht mehr untersucht worden. Sein letzter aufgezeichneter Body Condition Score lag bei 5/9, damals wog er 5,4 kg.
  • In der Untersuchung ist Dewey ruhig, aber aufmerksam. Die Schleimhäute sind etwas trocken mit einer normalen kapillaren Nachfüllzeit. Obwohl er schnurrt, scheinen Herz- und Lungengeräusche normal zu sein. Beim Abtasten des Abdomens zeigt er keine Schmerzen. Seine Nieren fühlen sich etwas klein an.

Auffälligkeiten beim Körperzustand

Kachexie bei Katzen und Hunden 

Als Kachexie bezeichnet man den Verlust an fettfreier Körpermasse und Körpergewicht, der bei chronischen Krankheiten wie Herzinsuffizienz, Krebs oder Atemwegs- oder Nierenerkrankungen auftritt. Es ist wichtig, diesen Zustand zu erkennen und zu behandeln, da er mit einer verminderten Immunfunktion, erhöhter Morbidität und einer kürzeren Lebenserwartung einhergeht.1-3  

Der krankheitsbedingte Verlust an fettfreier Körpermasse und Gewicht ist das Resultat komplexer Stoffwechselveränderungen und der systemischen Auswirkungen chronischer Entzündungsprozesse.4 Durch eine Ernährungsumstellung kann die Kachexie zwar nicht „geheilt“ werden, doch die Ernährung kann dazu beitragen, einige dieser Stoffwechselveränderungen abzumildern und die spezifischen Bedürfnisse der zugrunde liegenden Krankheit zu berücksichtigen.1

rotes generisches Symbol „untergewichtiger Hund und untergewichtige Katze“

Kernbotschaften


  • Routinemäßige Erfassungen der Ernährungssituation, die das Wiegen, die Bewertung des Körperzustands und die Bewertung des Muskelzustands beinhalten, sind der Schlüssel zur frühen Erkennung eines Verlusts an fettfreier Körpermasse.1  
    • Wenn ein Tier nur gewogen wird, kann ein Verlust an fettfreier Körpermasse übersehen werden, da dieser durch eine Zunahme des Körperfetts oder des Flüssigkeitsanteils überdeckt werden kann.5  
       
  • Eine verringerte Protein- und Kalorienaufnahme geht häufig mit einer Kachexie einher oder führt zu einer Verschlimmerung einer Kachexie.
    • Appetitlosigkeit tritt bei 34–84 % der Hunden und Katzen mit einer Herzerkrankung auf und kann Folge von Müdigkeit, Atemnot, Medikamenten, veränderten Futterpräferenzen und/oder einer Kachexie-bedingten veränderten neuronalen Appetitsteuerung sein.6-9  
    • Zu den Strategien gehören häufigeres Füttern an verschiedenen Orten und die Verwendung von Geschmacksverstärkern (wobei bei Haustieren mit Herzinsuffizienz ein hoher Natriumgehalt und bei Haustieren mit einer Nierenerkrankung ein hoher Phosphorgehalt zu vermeiden ist).1  
    • Wenn Sie Ihrem Tier selbstgemachtes Futter geben, wenden Sie sich an eine Ernährungsberatung, um zu besprechen, ob dieses Futter ernährungsphysiologisch ausgewogen und vollwertig ist und ausreichend Kalorien und Proteine für den Patienten liefert.1 
      • Gemäß Richtlinien werden etwa 2,55 g Eiweiß pro kg/Körpergewicht für gesunde ausgewachsene Hunde und etwa 5 g Eiweiß pro kg/Körpergewicht für gesunde ausgewachsene Katzen empfohlen, wobei gleichzeitig auf eine ausreichende Kalorienzufuhr geachtet werden sollte.10  
      • Mehr Proteine können von Vorteil sein. Beschränken Sie Proteine nur, wenn es medizinisch angezeigt ist.
    • Überprüfen Sie alle Nahrungsergänzungsmittel, da sie durch unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ungewollt zur Appetitlosigkeit beitragen können.1  
       
  • Eine Nahrungsergänzung mit Fischöl, das hohe Mengen der langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA enthält, kann die Produktion von inflammatorischen Zytokinen verringern und die Nahrungsaufnahme verbessern.11 
    • Bei Hunden und Katzen sind Leinsamenöl oder andere pflanzliche Omega-3-Fettsäuren keine wirksamen EPA- und DHA-Quellen.12 
       
  • Es gibt ein sogenanntes „Adipositas-Paradoxon“, das bei Hunden und Katzen (und Menschen) mit kardialer Kachexie und bei Hunden mit Nierenkachexie auftreten kann: Ein höheres Körpergewicht geht mit einer längeren Überlebenszeit einher.
    • Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, einen unbeabsichtigten Gewichts- und Muskelverlust zu vermeiden.13-16 

Verwandte Tools und Inhalt:

Fettfreie Körpermasse und Protein

Erfahren Sie mehr über die Bedeutung der fettfreien Körpermasse (Lean Body Mass, LBM) für die allgemeine Gesundheit von Hunden und Katzen sowie über die Rolle, die eine eiweißreiche Ernährung bei der Verlangsamung des LBM-Verlustes spielen kann.

Erhebung einer guten Ernährungsanamnese

Nur wenn Sie fragen, können Sie herausbekommen, was Ihre Patienten wirklich zu fressen bekommen. Dokumentieren Sie die Informationen in der Krankenakte.

Das Body-Condition-System von Purina

Das Body-Condition-System von Purina ist ein einfaches und praktisches Instrument zur Beurteilung des Körperzustands eines Haustieres.

Verwendung des „Muscle Condition Score“ zum Nachweis von Muskelverlusten bei Patienten

Die Bewertung des Muskelzustands (Muscle Condition Scoring) ist eine praktische Methode zur Beurteilung der fettfreien Körpermasse und kann im Rahmen der Erfassung der Ernährungssituation durchgeführt werden.

WSAVA Muscle Condition Score-Diagramm für Katzen

Eine einfache visuelle Anleitung zur Beurteilung der Muskelmasse bei Katzen. Dies ist ein Link zu einem Artikel auf Englisch, der nicht auf Deutsch verfügbar ist.

WSAVA Muscle Condition Score-Diagramm für Hunde

Eine einfache visuelle Anleitung zur Beurteilung der Muskelmasse bei Hunden. Dies ist ein Link zu einem Artikel auf Englisch, der nicht auf Deutsch verfügbar ist.

Zum Teilen mit dem Tierhalter:

Beurteilung des Körperzustands Ihrer Katze

Beurteilen Sie den Körperzustand einer Katze in nur drei einfachen Schritten:

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Beurteilung des Körperzustands Ihres Hundes

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Literatur

  1. Freeman, L. M. (2012). Cachexia and sarcopenia: Emerging syndromes of importance in dogs and cats. Journal of Veterinary Internal Medicine, 26, 3–17. 
  2. Ineson, D. L., Freeman, L. M., & Rush, J. E. (2019). Clinical and laboratory findings and survival time associated with cardiac cachexia in dogs with congestive heart failure. Journal of Veterinary Internal Medicine, 33(5), 1902–1908. doi: 10.1111/jvim.15566 
  3. Santiago, S. L., Freeman, L. M., & Rush, J. E. (2020). Cardiac cachexia in cats with congestive heart failure: Prevalence and clinical, laboratory, and survival findings. Journal of Veterinary Internal Medicine, 34(1), 35–44. doi: 10.1111/jvim.15672 
  4. Berardi, E., Madaro, L., Lozanoska-Ochser, B., Adamo, S., Thorrez, L., Bouche, M., & Coletti, D. (2021). A pound of flesh: What cachexia is and what it is not. Diagnostics, 11(1), 116. doi: 10.3390/diagnostics11010116 
  5. Hutchinson, D., Freeman, L. M., Schreiner, K. E., & Terkla, D. G. (2011). Survey of opinions about nutritional requirements of senior dogs and analysis of nutrient profiles of commercially available diets for senior dogs. International Journal of Applied Research in Veterinary Medicine, 9(1), 68–79.  
  6. Freeman, L. M., Rush, J. E., Cahalane, A. K., Kaplan, P. M., & Markwell, P. J. (2003). Evaluation of dietary patterns in dogs with cardiac disease. Journal of the American Veterinary Medical Association, 223(9), 1301–1305. doi: 10.2460/javma.2003.223.1301 
  7. Laviano, A., Inui, A., Marks, D. L., Meguid, M. M., Pichard, C., Rossi Fanelli, F., & Seelaender, M. (2008). Neural control of the anorexia-cachexia syndrome. American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism, 295(5), E1000–E1008. doi: 10.1152/ajpendo.90252.2008 
  8. Mallery, K. F., Freeman, L. M., Harpster, N. K., & Rush, J. E. (1999). Factors contributing to the decision for euthanasia of dogs with congestive heart failure. Journal of the American Veterinary Medical Association, 214(8), 1201–1204. 
  9. Torin, D. S., Freeman, L. M., & Rush, J. E. (2007). Dietary patterns of cats with cardiac disease. Journal of the American Veterinary Medical Association, 230(6), 862–867. doi: 10.2460/javma.230.6.862 
  10. Churchill, J. A., & Eirmann, L. (2021). Senior pet nutrition and management. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice51(3), 635–651. doi: 10.1016/j.cvsm.2021.01.004 
  11. Freeman, L. M., Rush, J. E., Kehayias, J. J., Ross, J. N., Jr, Meydani, S. N., Brown, D. J., Dolnikowski, G. G., Marmor, B. N., White, M. E., Dinarello, C. A., & Roubenoff, R. (1998). Nutritional alterations and the effect of fish oil supplementation in dogs with heart failure. Journal of Veterinary Internal Medicine, 12(6), 440–448. doi: 10.1111/j.1939-1676.1998.tb02148.x 
  12. Bauer, E. (2007). Responses of dogs to dietary omega-3 fatty acids. Journal of the American Veterinary Medical Association, 231(11), 1657–1661. doi: 10.2460/javma.231.11.1657 
  13. Finn, E., Freeman, L. M., Rush, J. E., & Lee, Y. (2010). The relationship between body weight, body condition, and survival in cats with heart failure. Journal of Veterinary Internal Medicine, 24(6), 1369–1374. doi: 10.1111/j.1939-1676.2010.0584.x 
  14. Oreopoulos, A., Padwal, R., Kalantar-Zadeh, K., Fonarow, G. C., Norris, C. M., & McAlister, F. A. (2008). Body mass index and mortality in heart failure: A meta-analysis. American Heart Journal, 156(1), 13–22. doi: 10.1016/j.ahj.2008.02.014 
  15. Parker, V. J., & Freeman, L. M. (2011). Association between body condition and survival in dogs with acquired chronic kidney disease. Journal of Veterinary Internal Medicine, 25(6), 1306–1311. doi: 10.1111/j.1939-1676.2011.00805.x  
  16. Slupe, J. L., Freeman, L. M., & Rush, J. E. (2008). Association of body weight and body condition with survival in dogs with heart failure. Journal of Veterinary Internal Medicine, 22(3), 561–565. doi: 10.1111/j.1939-1676.2008.0071.x