Praxisbeispiel

Lernen Sie Dewey kennen, einen älteren Kater mit Gewichtsverlust.

Lernen Sie DEWEY kennen

Ein 13 Jahre alter, kastrierter Kater

  • Dewey ist ein Wohnungskater, der wegen eines schleichenden Gewichtsverlusts in die Praxis kam.
  • Die Besitzerin hat keine Veränderung in Deweys Appetit festgestellt. Sie hat jedoch drei Katzen und die Gruppe füttert sie mit einem Trockenfutter für ausgewachsene Katzen nach Belieben und gelegentlich mit einer „kleinen Menge“ Dosenfutter als Belohnung. Sie ist sich nicht sicher, ob Dewey mehr trinkt oder uriniert.
  • Dewey hat einen Body Condition Score von 3/9, wiegt 4,3 kg und hat mäßigen Muskelverlust. Dewey ist seit über zwei Jahren nicht mehr untersucht worden. Sein letzter aufgezeichneter Body Condition Score lag bei 5/9, damals wog er 5,4 kg.
  • In der Untersuchung ist Dewey ruhig, aber aufmerksam. Die Schleimhäute sind etwas trocken mit einer normalen kapillaren Nachfüllzeit. Obwohl er schnurrt, scheinen Herz- und Lungengeräusche normal zu sein. Beim Abtasten des Abdomens zeigt er keine Schmerzen. Seine Nieren fühlen sich etwas klein an.

Nieren- und Harnwegserkrankungen

Chronische Nierenerkrankung (CNE) bei Katzen

Eine chronische Nierenerkrankung wird bei etwa jeder dritten Katze im Alter von über 10 Jahren diagnostiziert.1,2 Obwohl die Ursache der CNE auch auf die Rasse zurückzuführen sein kann, wie z. B. im Falle der polyzystischen Nierenerkrankung bei Perserkatzen, ist die Ursache in der Regel unbekannt.3 Auf der Grundlage klinischer Untersuchungen und Labortests kann die CNE bei Katzen in verschiedene Stadien eingeteilt werden. Die Behandlung erfolgt dann mit einer Kombination aus medizinischen Interventionen und therapeutischer Diät entsprechend den von der International Renal Interest Society (IRIS) entwickelten Leitlinien.

Das Ernährungsmanagement bei Katzen mit CNE ist auf vier grundsätzliche Ziele ausgerichtet: Aufrechterhaltung eines angemessenen Ernährungsstatus, Milderung der klinischen Folgen der CNE, einschließlich Urämie-Symptome Abwendung der Veränderungen der Homöostase die aus einer unzureichenden Nierenfunktion resultieren, Verlangsamung der Krankheitsprogression und Verlängerung der Lebenserwartung.4 Trotz des fortschreitenden Charakters der Krankheit kann ein individuelles Medizin- und Ernährungsmanagement den Katzen helfen, noch viele Jahre mit einer CNE zu leben.5 

Symbol „violette Katzenniere“

Kernbotschaften


  • Zentrale Bestandteile einer wirksamen Versorgung sind regelmäßige Bewertungen des Ernährungsstatus und ein auf den Patienten zugeschnittener Ernährungsplan.6 
    • Die Bestimmung der Muskelmasse ist besonders wichtig, da das Kreatinin bei Patienten mit geringer Muskelmasse irreführend niedrig sein kann.7  
    • Ein Verlust an fettfreier Körpermasse geht mit einer erhöhten Alters- und CNE-Sterblichkeit einher.5,7 
  • Achten Sie auf eine ausreichende Kalorienzufuhr. Wenn der Energiebedarf nicht gedeckt wird, kommt es zum Abbau von Körpergewebe und in der Folge zu einem Verlust an fettfreier Körpermasse und einem erhöhten Risiko für Morbidität und Mortalität bei Katzen mit CNE.8  
    • Vermeiden Sie unnötige Futterumstellungen bei kranken Katzen, um das Risiko einer Futteraversion zu verringern, die zur Verweigerung bestimmter Diäten führt. Wenn eine Ernährungsumstellung angezeigt ist, sollte diese langsam und zu einem für die Katze angenehmen Zeitpunkt erfolgen.6  
  • Zu den wichtigsten Faktoren im Bereich der Ernährung zählen Phosphor, Eiweiß, Kalium, Omega-3-Fettsäuren und Puffer zur Erhöhung der Alkalinität. Therapeutische Nierendiäten erbringen bei Katzen mit mittelschwerer bis schwerer CNE bessere klinischen Ergebnisse (längeres Überleben und weniger urämische Krisen) als Erhaltungsdiäten für ausgewachsene Tiere.4,9-12   
    • Bei Vorliegen einer CNE und Hyperphosphatämie ist der Phosphorhaushalt gestört und das Parathormon (PTH) oder der Fibroblasten-Wachstumsfaktor 23 (FGF23) erhöht, was angesichts der bestehenden Nierenerkrankung zu weiteren Schädigungen führt. Der Serumphosphatspiegel sollte abhängig vom IRIS-Stadium mit einer Beschränkung der Phosphoraufnahme und Phosphatbindern behandelt werden.4 
  • Katzen, insbesondere wenn sie älter sind, haben einen hohen Proteinbedarf. Ziel ist es, einen Mangel zu vermeiden, der einen Verlust an fettfreier Körpermasse nach sich ziehen kann, und gleichzeitig einer übermäßigen Aufnahme vorzubeugen.6  
    • Auf der Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse ist eine grundsätzliche Proteinrestriktion bei Katzen mit CNE nicht angezeigt.10 
    • Ein höherer Proteinspiegel in den frühen Stadien der CNE kann zur Erhaltung der fettfreien Körpermasse beitragen.13-15  
    • Eine mäßige Proteinrestriktion in späteren Stadien kann die Akkumulation von stickstoffhaltigen Abfallprodukten verringern.4  
  • Ein im Normbereich liegender Kaliumspiegel ist für eine normale Nierenfunktion von entscheidender Bedeutung, da ein niedriger Kaliumspiegel eine CNE verursachen oder verschlimmern kann.6  
    • Zwar sind die meisten therapeutischen Nierendiäten mit Kalium angereichert, doch der Blutspiegel bei Katzen mit CNE sollte routinemäßig überwacht werden.16-19  
  • Die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl ist eine gängige Therapieempfehlung.10,11, 20  
Wussten Sie schon?

Während bei Menschen mit CNE eine Natriumrestriktion empfohlen wird, gibt es Hinweise darauf, dass diese bei Katzen nicht nur unnötig ist, sondern sogar schädlich sein kann.2,10

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CHRONIC KIDNEY DISEASE IN CATS: Nutritional Management

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Erhebung einer guten Ernährungsanamnese

Nur wenn Sie fragen, können Sie herausbekommen, was Ihre Patienten wirklich zu fressen bekommen. Dokumentieren Sie die Informationen in der Krankenakte.

Wie man eine Beurteilung des Körperzustands von Katzen durchführen kann

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Verwendung des „Muscle Condition Score“ zum Nachweis von Muskelverlusten bei Patienten

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Beurteilung des Körperzustands Ihrer Katze

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Literatur

  1. Lulich, J. P., Osborne, C. A., O’Brien T. D., & Polzin, D. J. (1992). Feline renal failure: Questions, answers, questions. Compendium on Continuing Education for the Practicing Veterinarian14, 127–152.
  2. Sparkes, A. H., Caney, S., Chalhoub, S., Elliott, J., Finch, N., Gajanayake, I., Langston, C., Lefebvre, H. P., White, J., & Quimby, J. (2016). ISFM consensus guidelines on the diagnosis and management of feline chronic kidney disease. Journal of Feline Medicine and Surgery18(3), 219–239. doi: 10.1177/1098612X16631234
  3. Brown, C. A., Elliott, J., Schmiedt, C. W., & Brown, S. A. (2016). Chronic kidney disease in aged cats: Clinical features, morphology, and proposed pathogeneses. Veterinary Pathology53(2), 309–326. doi: 10.1177/0300985815622975
  4. International Renal Interest Society (IRIS). (2019). IRIS staging of CKD (modified 2019). http://www.iris-kidney.com/pdf/IRIS_Staging_of_CKD_modified_2019.pdf​
  5. Boyd, L. M., Langston, C., Thompson, K., Zivin, K., & Imanishi, M. (2008). Survival in cats with naturally occurring chronic kidney disease (2000–2002). Journal of Veterinary Internal Medicine, 22(5), 1111–1117doi: 10.1111/j.1939-1676.2008.0163.x​
  6. Quimby, J. M. (2016). Update on medical management of clinical manifestations of chronic kidney disease. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice46(6), 1163–1181. doi: 10.1016/j.cvsm.2016.06.004
  7. Freeman, L. M., Lachaud, M. P., Matthews, S., Rhodes, L., & Zollers, B. (2016). Evaluation of weight loss over time in cats with chronic kidney disease. Journal of Veterinary Internal Medicine30(5), 1661–1666. doi: 10.1111/jvim.14561
  8. Larsen, J. A. (2016). Controversies in veterinary nephrology: Differing viewpoints: Role of dietary protein in the management of feline chronic kidney disease. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice46(6), 1095–1098. doi: 10.1016/j.cvsm.2016.06.012
  9. Elliott, J., Rawlings, J. M., Markwell, P. J., & Barber, P. J. (2000). Survival of cats with naturally occurring chronic renal failure: Effect of dietary management. Journal of Small Animal Practice41(6), 235–242. doi: 10.1111/j.1748-5827.2000.tb03932.x
  10. Laflamme, D., Backus, R., Brown, S., Butterwick, R., Czarnecki-Maulden, G., Elliott, J., Fascetti, A., & Polzin, D. (2020). A review of phosphorus homeostasis and the impact of different types and amounts of dietary phosphate on metabolism and renal health in cats. Journal of Veterinary Internal Medicine34(6), 2187–2196. doi: 10.1111/jvim.15961
  11. Plantinga, E. A., Everts, H., Kastelein, A. M., & Beynen, A. C. (2005). Retrospective study of the survival of cats with acquired chronic renal insufficiency offered different commercial diets. Veterinary Record157(7), 185–187. doi: 10.1136/vr.157.7.185
  12. Ross, S. J., Osborne, C. A., Kirk, C. A., Lowry, S. R., Koehler, L. A., & Polzin, D. J. (2006). Clinical evaluation of dietary modification for treatment of spontaneous chronic kidney disease in cats. Journal of the American Veterinary Medical Association229(6), 949–957. doi: 10.2460/javma.229.6.949
  13. Nguyen, P., Leray, V., Dumon, H., Martin, L., Siliart, B., Diez, M., & Biourge, V. (2004). High protein intake affects lean body mass but not energy expenditure in nonobese neutered cats. Journal of Nutrition, 134(8 Suppl), 2084S–2086S. doi: 10.1093/jn/134.8.2084S
  14. Noguiera, A., Pires, M., & Oliveira, P. (2017). Pathophysiological mechanisms of renal fibrosis: A review of animal models and therapeutic strategies. in vivo, 31(1): 1–22.
  15. Perez-Camargo, G. (2004). Cat nutrition: What’s new in the old? Compendium on Continuing Education for the Practicing Veterinarian, 26(S2A), 5–10.
  16. Buranakarl, C., Mathur, S., & Brown, S. A. (2004). Effects of dietary sodium chloride intake on renal function and blood pressure in cats with normal and reduced renal function. American Journal of Veterinary Research65(5), 620–627doi: 10.2460/ajvr.2004.65.620​
  17. DiBartola, S. P., Buffington, C. A., Chew, D. J., McLoughlin, M. A., & Sparks, R. A. (1993). Development of chronic renal disease in cats fed a commercial diet. Journal of the American Veterinary Medical Association202(5), 744–751.
  18. Dow, S. W., Fettman, M. J., LeCouteur, R. A., & Hamar, D. W. (1987). Potassium depletion in cats: Renal and dietary influences. Journal of the American Veterinary Medical Association191(12), 1569–1575.
  19. Theisen, S. K., DiBartola, S. P., Radin, M. J., Chew, D. J., Buffington, C. A., & Dow, S. W. (1997). Muscle potassium content and potassium gluconate supplementation in normokalemic cats with naturally occurring chronic renal failure. Journal of Veterinary Internal Medicine11(4), 212–217. doi: 10.1111/j.1939-1676.1997.tb00093.x
  20. Priante, G., Musacchio, E., Valvason, C., Clari, G., Bordin, L., Sartori, L., & Baggio, B. (2013). Further insights about the beneficial effects of n-3 fatty acids in the early molecular events of renal fibrosis in vitro. Journal of Nephrology26(4), 652–659. doi: 10.5301/jn.5000193